Relevante Stoffgruppen: Formaldehyd und VOC
Kurzantwort: Für die Wohngesundheit im Fertighaus sind vor allem 2 Stoffgruppen relevant: Formaldehyd und flüchtige organische Verbindungen (VOC). Für Formaldehyd nennt die WHO einen Richtwert von 0,1 mg/m³, VOC werden je Einzelstoff bewertet.
Formaldehyd stammt häufig aus Holzwerkstoffen und Klebstoffen. Als Orientierung gilt der Richtwert der Weltgesundheitsorganisation von 0,1 mg/m³, der dauerhaft nicht überschritten werden sollte. VOC – flüchtige organische Verbindungen – gelangen aus Farben, Lacken, Bodenbelägen und Möbeln in die Raumluft. Für ihre Bewertung veröffentlicht der Ausschuss für Innenraumrichtwerte am Umweltbundesamt stoffbezogene Richtwerte.
Wichtig zur Einordnung: Ein Neubau gibt beide Stoffgruppen anfangs verstärkt ab, die Konzentration sinkt in den ersten Monaten deutlich. Wie sich diese Stoffe konkret vermeiden lassen, vertieft der Ratgeber zu Formaldehyd und VOC.

Prüfstandards: AgBB-Schema, E1-Grenzwert, ChemVerbotsV
Kurzantwort: Emissionen von Bauprodukten werden über das AgBB-Schema bewertet, meist über 28 Tage in einer Prüfkammer. Für Holzwerkstoffe kennzeichnet die Emissionsklasse E1 formaldehydarme Produkte, und die Chemikalien-Verbotsverordnung (ChemVerbotsV) regelt den Umgang mit besonders belastenden Stoffen.
Das AgBB-Schema stammt vom Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten und prüft, wie stark ein Produkt über die Zeit emittiert. Der E1-Grenzwert ordnet Holzwerkstoffe nach ihrer Formaldehydabgabe ein; Produkte, die ihn einhalten, gelten als formaldehydarm. Die ChemVerbotsV begrenzt den Einsatz besonders kritischer Stoffe. Diese Standards greifen ineinander: Wer Produkte nach AgBB und E1 auswählt, senkt die Belastung der Innenraumluft von Beginn an.
Lüftung und Raumluftfeuchte
Kurzantwort: Regelmäßiges Lüften oder eine kontrollierte Wohnraumlüftung senkt die Konzentration von Schadstoffen und Feuchte. Als Orientierung für ein gutes Raumklima gilt eine relative Luftfeuchte von 40 bis 60 Prozent.
Frische Luft transportiert Formaldehyd und VOC ab und hält die Feuchte im Zielbereich. Unter 40 Prozent relativer Luftfeuchte kann die Luft die Schleimhäute reizen, dauerhaft über 60 Prozent steigt das Risiko für Feuchteschäden und Schimmel. Eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung sorgt für einen gleichmäßigen Luftwechsel, ohne dass Heizwärme unnötig verloren geht – auf Standards und Förderungen der Lüftungstechnik gehen wir hier bewusst nicht vertieft ein.
Emissionsarme Materialwahl
Die Materialwahl entscheidet maßgeblich über die Raumluft. Wer zentrale Gewerke gezielt emissionsarm auswählt, senkt die Belastung spürbar. Achten Sie auf folgende Punkte:
- Emissionsarme Wandfarben ohne unnötige Lösungsmittel wählen.
- Holzwerkstoffe der Emissionsklasse E1 oder besser einsetzen.
- Bodenbeläge und Klebstoffe mit belastbarem Emissionsnachweis bevorzugen.
- Emissionsarme Produkte über Siegel wie natureplus oder den Blauen Engel absichern.
- Zentrale Materialentscheidungen schriftlich im Bauvertrag festhalten.
Welche Siegel emissionsarme Produkte belegen, ordnet unsere Seite zu Zertifizierungen ein. Passende natürliche Oberflächen und Materialien finden Sie in der Übersicht zu ökologischen Baustoffen und speziell zu Lehm.
Wann eine Raumluftmessung sinnvoll ist
Kurzantwort: Eine Raumluftmessung ist vor allem in den ersten 1 bis 2 Jahren nach dem Einzug in einen Neubau sinnvoll, wenn empfindliche Personen im Haushalt leben oder auffällige Gerüche bestehen. Ohne konkreten Anlass ist sie nicht zwingend.
Ein Innenraumgutachter misst Formaldehyd und VOC und ordnet die Werte gegenüber den Richtwerten ein – etwa gegenüber dem Formaldehyd-Richtwert von 0,1 mg/m³. So lässt sich ein subjektiver Eindruck objektivieren. Bei einem gebrauchten Fertighaus können zusätzliche Altstoffe eine Rolle spielen; diesen Fall behandelt der Ratgeber zu Schadstoffen im Fertighaus.
Sachlich bleiben
Begriffe wie „schadstofffreies Fertighaus“ werden in der Werbung oft weiter gefasst, als es messtechnisch haltbar ist. Sinnvoller ist der Anspruch, die Werte niedrig zu halten und die Raumluft bei Bedarf zu prüfen.
Stoffgruppen, Quellen und Richtwerte im Überblick
Relevante Stoffgruppen im Innenraum (nur belegte Richtwerte, Stand 2026)
| Stoffgruppe | Typische Quelle | Referenz-/Richtwert | Prüfstandard |
|---|---|---|---|
| Formaldehyd | Holzwerkstoffe, Klebstoffe | WHO-Richtwert 0,1 mg/m³ | AgBB-Schema, Emissionsklasse E1 |
| VOC | Farben, Lacke, Bodenbeläge, Möbel | je Einzelstoff bewertet (AIR/UBA) | AgBB-Schema |
| Innenraumklima | Nutzung, Lüftung | Luftfeuchte 40–60 % | Messung vor Ort |
Richtwerte dienen der Orientierung. Für VOC gelten stoffbezogene Werte des Ausschusses für Innenraumrichtwerte (AIR/UBA); ein pauschaler Grenzwert wird hier bewusst nicht angegeben.
Wohngesunde Fertighäuser vergleichen
Wir leiten Ihre Anfrage an bis zu 3 der 72 geprüften Hersteller weiter, die emissionsarme Materialien und einen wohngesunden Innenausbau anbieten. Angaben zu Materialien und Prüfmöglichkeiten sehen Sie transparent aufgeschlüsselt – kostenlos und unverbindlich.

